Wort zur Woche

von Pfarrerin Anna Trapp

Das Wunder der Geburt, die wir an Heilig Abend feiern, ist in diesem Jahr eines, dass mich und meine Frau ganz persönlich beschäftigt, rückt doch die Geburt auch unseres ersten Kindes immer näher. Oft streichle ich zärtlich über meinen inzwischen deutlichen Bauch und danke Gott, dass uns dieses Geschenk zuteilwerden soll.

Die Weihnachtsgeschichte berührt mich da natürlich auf ganz neue Weise. Ich frage mich, wie Maria die Zeit ihrer Schwangerschaft wahrgenommen hat. Sie war damals ja nach unseren Maßstäben noch ein Teenager. Die Veränderungen ihres Körpers, die Unsicherheit, wie es für sie weitergehen würde und dann noch die 5 Tage Reise mitten im Geburtszeitraum, ich bewundere Maria für ihre Kraft und ihr Gottvertrauen.

Auch wenn wir, für die Geburt unseres Kindes, vieles gut vorbereiten konnten, wissend, dass im Notfall medizinisches Personal zur Seite steht, bleibt immer die Ehrfurcht vor der Unverfügbarkeit des Lebens, dem Wunder der Geburt. Denn wenn ein Kind geboren wird und alle gesund und glücklich aus dem Kreißsaal kommen, dann ist das auch heute noch alles andere als selbstverständlich.

Wie musste es da für Maria sein, ihr erstes Kind zu entbinden? Die Weihnachtsgeschichte berichtet nur davon, dass das Baby in Windeln gewickelt in die Krippe gelegt wird. Der eigentliche Geburtsvorgang wird ausgespart. Der Evangelist Lukas war wohl nicht an den Details einer Entbindung interessiert. Für ihn ist wichtig, dass das Kind in Bethlehem geboren und das die Nachricht von der Geburt den Hirten weitergesagt wird. Es bleibt also ganz an uns, Marias Angst und Freude, Überforderung und Erleichterung in den knappen Worten „sie gebar ihren ersten Sohn“ nachzuspüren.

Dabei ist gerade die Geburt wesentlich. Der Sohn Gottes wird geboren, er fährt nicht als erwachsener Mann vom Himmel nieder. Seine Geburt durch eine Frau macht ihn uns gleich, winzig, angewiesen, verletzlich. Er ist darin ganz Mensch, so wie wir alle.

Darum feiern wir am Weihnachtsfest ein Wunder, das täglich geschieht und doch besonders ist: Ein strampelndes Baby in Windeln im Arm seiner Mutter als das Gotteskind.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest. Jetzt ist die Zeit für Liebe Trost und Mut. Das Kind in der Krippe segne uns damit!

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