Wort zur Woche

von Pfr. Volkhart Spitzner

Wenn sich Besuch anmeldet, der einige Tage bleiben möchte und auf den wir uns sehr freuen, dann bereiten wir uns auf das Kommen vor. Das Gästezimmer wird hergerichtet, Betten frisch bezogen und zum Essen wird sich etwas Leckeres überlegt. Jetzt kann der Besuch kommen! Wir stehen in der offenen Tür um unsere Familie, Enkelkinder und Freunde mit einer herzlichen Umarmung in Empfang zu nehmen.

Doch es kann auch zu Verspätungen kommen. Der Anschlusszug ist davongefahren. Das Auto steht im Stau. Dann kommt der telefonische Anruf und Vorschlag: “Lasst doch einfach die Tür angelehnt und geht schon schlafen!“ Früher war das auf den Dörfern so üblich. Doch heute? Da könnte ja Jeder hereinkommen. Schließlich einigt man sich darauf, den Schlüssel in einem Blumentopf vor dem Haus zu verstecken.

Menschen, die wir mit Vorfreude erwarten, öffnen wir gerne die Tür. In einem bekannten Adventslied heißt es: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“. Wie einem guten Freund sollen wir dem Heiland Tür und Tor öffnen. ER ist ein lang ersehnter Gast, der reichlich Gaben mitbringen wird: Sanftmut und Barmherzigkeit, Freude und Wonne, Heil und Leben. Wenn ER kommt, so singen wir sinngemäß, verändert sich unser Leben, weil seine Gaben uns verwandeln. Deshalb ist seine Bedeutung noch größer als die des guten Freundes. Denn ER wird nicht nur unsere Häuser, sondern auch unsere Herzen bewohnen.

So jedenfalls dichtet es der Liedschreiber im 17.Jahrhundert in Anlehnung an den Psalm 24: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. In der Tat scheinen wir seinen Rat bis heute zu befolgen, obwohl sich seit damals viel geändert hat. Wir bereiten uns frühzeitig, manchmal zu früh, darauf vor. Schon vor der Adventszeit öffnen sich Tür und Tor für eifrige Weihnachtseinkäufe. Aber jetzt wird es auch in unseren Kirchen und diakonischen Einrichtungen geschäftig. Jede Gruppe, jeder Verein lädt zum adventlichen Beisammensein ein. Viel Liebe und Mühe wird in die Vorbereitungen gesteckt. Andachten stimmen nachdenklich. Und mancher Klang eines Liedes aus Kindertagen öffnet uns die Herzen.

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ – ja gerne, denn der Gedanke an Jesu Kommen tut uns gut.

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