Wort zur Woche

von Pfarrer Christian Gogoll

Im Eiskeller – „Er ist nicht hier..."

Die Sonne scheint, ich gehe vom Gutshaus durch den Park. Nun betrete ich einen fünf Meter langen Gang. Es ist stockdunkel. Am anderen Ende sehe ich Licht. Ich schaue in die Tiefe und entdecke am Grund viele Kerzen, die auf einem großen weißen Tuch stehen. Sie strahlen ein wohliges Licht, es riecht nach Vanille. Plötzlich höre ich eine Stimme: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“

Mit meinen Religionsschülerinnen und Religionsschülern habe ich die Ostergeschichte nachgestellt. Der Eiskeller in Hoppenrade diente uns als Jesu Grab und ein Schüler sprach im Dunkel die Worte des Engels. Wie damals am Ostermorgen, das Grab war leer und ein Engel sprach zu den Frauen, dass Jesus auferstanden sei.

So konnten die Schülerinnen und Schüler das Osterereignis mit Spannung und mit allen Sinnen nachempfinden. Einige wollten immer wieder nachschauen und die Kerzen sehen. Andere wollten unbedingt den Engel sehen und den Satz mehrmals hören. Wieder andere waren von der Atmosphäre ganz fasziniert.

Am Schluss gab es als Giveaway ein Spruchkärtchen mit einem Hoffnungswort mit in die Osterferien. Das ist mir wichtig, als Pfarrer im Religionsunterricht, dass die Osterbotschaft ankommt und sich diese Hoffnungsbilder einprägen.

Denn mehr als sonst, da eine Krise die nächste ablöst, ist es wichtig, die Hoffnung nicht zu verlieren und gute Bilder im Kopf zu haben. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das Leben ist stärker und setzt sich durch. Die Größe Gottes ist unermesslich und unfassbar.

Indem Gott uns dieses dramatische Ereignis um die Auferstehung mit allen Fragezeichen zumutet, traut er uns auch etwas zu. Nämlich gegen den Augenschein an seine Liebe und lebensschaffende Kraft zu glauben. Das Leid nicht zu ignorieren, sondern etwas dagegen zu tun, nicht aufzugeben und sich für den Frieden zu engagieren.

Ich verlasse den Eiskeller und gehe zurück ans Tageslicht. Die Sonne scheint, meine Hoffnung ist stärker. Das ist ein guter Tag.

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