Wort zur Woche

von Pfarrer Norbert Merten

Ohne Vertrauen geht es nicht – aber, wem vertrauen wir?

In diesen Wochen haben wir in unseren Gemeinden mehrere Taufen. Ich freue mich sehr, Menschen dabei begleiten zu können. Wie wunderbar: Da ist ein kleiner Mensch geboren. Seine Sinne nehmen seine Umwelt wahr. Ist sie warm, vertrauenserweckend, liebevoll? Oder ist sie kalt, feindlich, trostlos? Wehrlos ausgeliefert ist ein Kind den ersten Eindrücken, die seine Umwelt bietet. Erst allmählich lernt es damit umzugehen, wird vertrauensvoll oder misstrauisch, wird selbstsicher oder unsicher. Gut, wenn Eltern, Paten, Taufzeugen und Gemeinde treue Begleitung geben.

Um Urvertrauen zu entwickeln brauchen wir Menschen jemanden, der sich uns zuwendet, sich unserer annimmt, uns persönlich anspricht. Eine warme Hand, die Geborgenheit zuströmen lässt - Zärtlichkeit, die fühlen lässt: „Du bist geliebt!“ – jemanden, der uns „beim Namen ruft“… Solches Erleben lässt gute Erfahrungen im Vertrauen aufbauen. Auf diesem Wege der Mitmenschlichkeit wird eine Brücke gebaut, um auch Gott vertrauen zu können.

Wie wichtig ist es für jeden von uns, feinfühlig und hellhörig zu werden für unsere Mitmenschen, die oft seelisch ausgehungert sind und uns irgendwann und irgendwo begegnen. So können auch wir zu einer Brücke zum Leben werden und das heißt: eine Brücke zu Gott sein. Durch unser bloßes Dasein, durch unsere mitmenschliche Wärme, durch ein verstehendes Wort.

In diesen Wochen wird in vielen unserer Orte auch Erntedankfest gefeiert. Ob wir gute Ernte einbringen können, liegt nicht nur an uns. „Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott“ so steht es in einem bekannten Lied; und dann auch: „doch Wachstum und gedeihen liegt in des Himmels Hand.“ Wir müssen lernen, mit der Natur zu leben. Dabei haben wir es hinzunehmen, wenn die erwartete Ernte ausbleibt. Und dann dürfen wir aber auch dankbar in Empfang nehmen, was an Früchten heranreift. Wer nur skeptisch in die Zukunft sieht und alle Entwicklung misstrauisch beäugt, der macht sich sein Leben, und das seiner Mitmenschen, nur schwerer. Aber, eigentlich will doch keiner als mürrischer und unzufriedener Mensch wahrgenommen werden. Wir wissen: Vertrauen ist immer ein Wagnis, denn es kann auch missbraucht werden. Deshalb ist es so wichtig: Wem vertrauen wir?

Dort, wo wir Menschen im Vertrauen leben lernen, da kann auch ganz viel positive Energie in unser Leben hineinfließen. Über die vor uns liegende Woche steht ein Wort, dass uns zum vertrauensvollen Unterwegssein mit Gott einlädt: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ (1.Johannes 5,4c)

Wenn wir uns vertrauensvoll auf Gott einlassen, heißt das doch: Wir wissen Gott an unserer Seite! Was da auch alles kommen mag. Das macht uns ruhig und getrost. Und nicht nur, wenn alles glatt läuft; wenn wir zufrieden sind. Auch, wo wir Fragen an das Leben haben; wo unser Weg im Dunkeln liegt.

Wenn wir in unser Leben hineinschauen, wieviel entdecken wir da: wo wir Schönes bewegen konnten; wo uns geholfen wurde; wo gute Begleitung geschah; wo sich Türen geöffnet und andere geschlossen haben; wie oft haben wir Glück gehabt - es hat sich gut gefügt. Ich entdecke: Gott steht dahinter. Er leitet immer wieder und versucht, auf einen segensreichen Weg zu bringen.

Das erhoffe ich auch für uns, die am Sonntag wählen gehen und auch für die, die am Sonntag gewählt werden und so für unser Land Verantwortung übernehmen wollen. Sie mögen das Vertrauen, dass wir Wähler ihnen entgegenbringen, in rechter Weise gebrauchen. Und ich hoffe und bete dafür, dass sie möglichst segensreich tätig sein werden – die, die Regierungsverantwortung übernehmen ebenso, wie die, die es aus der Opposition kritisch begleiten wollen.

Und so wünsche ich, dass wir immer wieder gute Erfahrungen machen mit dem Vertrauen. Gott möge unser Land, wie auch unser persönliches Leben segnen.

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