Wort zur Woche

von Pfr. Alexander Bothe

Was Augen des Herzens öffnet

Das war also Ostern. In kleinstem Kreis. Kaum Familienbesuch.

Und in der Woche nach Ostern: Kalter Wind, Graupelschauer, Schneetreiben. Das richtige Wetter für die Man-kann-ja-sowieso-nicht-richtig-Urlaub-machen-Zeit.

Die gestiegenen Zahlen der Infizierten, trotz leichter Oster-Erholung, die gesellschaftlichen Folgekosten, die Uneinigkeit über den richtigen Weg: Allenthalben herrscht trübe Stimmung, obwohl wir gerade erst mit Ostern das große Freudenfest gefeiert haben.

Das erinnert mich an die trübe Stimmung, mit der zwei der Anhänger von Jesus unterwegs waren, obwohl man ihnen gerade erst von der Auferstehung Jesu erzählt hatte. Die beiden kamen sozusagen auch von Ostern her. Aber das hellte ihre Stimmung nicht wirklich auf. Sie konnten die Osterbotschaft nicht glauben. Sie kreisten immer und immer wieder um den Verlust, den sie erlitten hatten.

Als ein fremder Wanderer sich zu ihnen gesellte und sie wegen ihrer schlechten Stimmung befragte, konnten sie es nicht fassen, dass er überhaupt fragt. Denn für sie gab es auf der Welt gerade kein anderes Thema. Da fängt der Fremde an, die Situation mit Hilfe der Heiligen Schrift zu deuten und den Blick zu weiten. Er erklärt ihnen, dass die traurigen Ereignisse nicht das Ende sind und alles einen Sinn hat. Am Abend zu Hause angekommen, laden die beiden diesen Fremden zu sich zum Abendessen ein. Da nimmt er plötzlich die Rolle des Hausvaters ein, dankt Gott, bricht das Brot und teilt es aus – und die beiden erkennen, dass es Jesus ist, der unerkannt auf dem Weg mit ihnen ging. Der, dessen Tod sie betrauerten, war als Auferstandener die ganze Zeit bei ihnen. Doch erst beim rituellen Brotbrechen erkannten sie ihn.

Manchmal braucht es bestimmte vertraute Rituale, damit die Augen des Herzens geöffnet werden. Für Christen sind Gottesdienste und Abendmahl solche Rituale, egal ob in Präsenz, am Telefon, am Computer oder in welcher Form auch immer. Sie helfen zu entdecken: Gott, der die Macht des Todes besiegt hat, ist mit uns auf dem Weg. Jesus lebt und geht mit uns. Ostern ist noch lange nicht vorbei!

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