Wort zur Woche

von Pfr. Volkhart Spitzner

Pünktlich zum Sommerbeginn haben wir herrliches Wetter. Die Kinder haben Ferien und viele Familien machen sich auf Reisen durch unser Land. Die Pandemie hat unser Leben mächtig bestimmt und so manche Planungen zunichte gemacht. Der Urlaub im Ausland wird zögerlich angetreten. Wer keinen Platz an der Ostsee oder in den Bergen erhalten hat, unternimmt Tagestouren in unsere schöne Umgebung.

Als Ostseeurlauber habe ich für mich das E-Bike entdeckt. Am Meer kommt der Wind gefühlt immer von vorne und diese Erleichterung ist wirklich super. Die Fahrradtouren führen mich durch die abwechslungsreichen Landschaften und an herrlichen Gärten vorbei. Zur Zeit blühen die Rosen und der Rittersporn leuchtet im schönsten Kleide. Es dauert nicht mehr lange, dann begrüßen mich auch wieder die Sonnenblumen am Wegesrand. Kennen Sie das Geheimnis der Sonnenblume? Die Sonnenblume wendet sich immer der Sonne zu und strahlt so selbst.

Das kann übrigens auch das Geheimnis unseres eigenen Lebens sein. Wenn ich mich Gott zuwende, kann ich selbst anfangen zu strahlen und ich fühle mich hell und froh. Das ist für mich ein Leben aus Gottes Kraft. Im Älterwerden immer mehr die Blumen des Lebens sehen, das ist für mich Weisheit. Sich über jeden neuen Tag freuen zu können, über die Strahlen der Sonne ebenso, wie über jeden Regentropfen, der die Erde befeuchtet und grünen lässt, das ist Gnade.

Nun ist nicht jeder Tag eitel Sonnenschein! Vielleicht brauchen wir die dunklen Zeiten, um die hellen Stunden bewusster wahrzunehmen. Vielleicht brauchen wir sie, damit mein Leben Tiefgang bekommt und mich von der Gedankenlosigkeit befreit, befreit zur Dankbarkeit. Irgendwie ging es mir so mit den vergangenen Monaten der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen. Äußerlich bekam mein Leben einen Knick, denn so manche Einschränkungen haben Narben hinterlassen.

Doch schauen wir noch einmal auf die Sonnenblumen. Ich weiß nicht, ob schon mal jemand gesehen hat, was passiert, wenn die Sonnenblume einen Knick bekommt? Natürlich hängt sie zunächst mit dem Kopf nach unten, aber trotzdem lässt sie nicht die Blüte hängen und verdorrt. Wie durch ein Wunder wächst sie dann trotzdem wieder nach oben und richtet sich nach der Sonne. Die Kraft der Sonne richtet die Blume wieder auf. Mein Leben hat auch so manchen Knick bekommen. Ich denke an so manche Enttäuschungen die ich erlebte oder die ich anderen zufügte, ich denke an  Verluste von geliebten Menschen und Schmerzen, die auszuhalten waren. Das Geheimnis der Sonnenblume ist für mich ein Lebensbild geworden. Auch wir können uns wieder aufrichten lassen. Wenn wir uns nach Gott ausrichten, dann kann er auch einen geknickten Menschen wieder zum Blühen bringen.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit.

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Kommentar von W. Nier |

Vielen Dank für diese schönen Gedanken !

Was ist die Summe aus 3 und 8?