Wort zur Woche

von Pfarrerin Friederike Trapp

Wie? Du fährst Weihnachten nicht nach Hause? Da werden Deine Eltern aber enttäuscht sein.

Wie? Bei Dir gibt es Heilig Abend nur Würstchen mit Kartoffelsalat? Das ist doch recht lieblos, oder?

Wie? Du backst keine Plätzchen selbst? Warum nicht? Das macht gar keine Arbeit.

In den Tagen vor Weihnachten habe ich irgendwie das Gefühl, dass ich alles falsch mache. Meine lieben Mitmenschen geben mir, oft durch freundliche Nachfragen, dieses Gefühl, dass meine Art der Lebensführung nicht richtig ist... Nicht richtig in den Augen der anderen. In der Zeit vor Weihnachten neigen die Menschen dazu gesetzlich zu werden. Und ich kann mich da leider nicht ausnehmen. Gerade, wenn es um Traditionen und Dinge, die uns wichtig sind, geht, glauben wir schnell, dass es nur einen Weg des Richtig-Machens gibt – unseren – meinen.

Erstaunlich, dass uns diese Falle ausgerechnet Weihnachten ereilt. Ausgerechnet, wenn es eigentlich um Frieden, Liebe und Mitmenschlichkeit, um Verzeihen und 5e-gerade-sein-Lassen, geht, werden wir Menschen unnachgiebig und kompromisslos!

Dabei könnten wir die Advents- und Weihnachtszeit so gut nutzen: Auch Traditionen sind ja nicht vom Himmel gefallen, sondern waren irgendwann mal zum ersten Mal da. Und da wird auch so mancher gedacht haben „neumodischer Kram“ und heute ist es lieb gewonnenes Ritual.

Rituale können helfen uns vorzubereiten, uns einzustimmen. Dabei ist es nicht wichtig, was wir auf welche lieb gewonnene Art und Weise tun, sondern dass wir uns bewusst dafür Zeit nehmen es zu tun. Vielleicht ist dann etwas, was wir neu ausprobieren, so schön, bringt eine neue Seite hervor oder macht Freude, dass wir es nächstes Mal wieder so machen wollen. Und schon gibt es eine neue Tradition, die gepflegt werden will.

Dafür kann dann auch etwas, bei dem man nicht mehr weiß, warum man es eigentlich macht, auch wegfallen. Manches, was „schon immer so war“, darf auch mal anders sein oder gar nicht. Das schafft Platz für bewusstes Handeln.

Wenn also jemand etwas anders macht, als ich, frag ich mich ab jetzt: Warum? Und schaue dann, ob es mich auch bereichern könnte.

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