Wort zur Woche

von Pfr. Peter Radziwill

Eine warme Decke für die Seele

Totensonntag. November. Die Welt ist düster.

Meine Gedanken gehen zurück zu denen, die gestorben sind. Der junge Mann, der bei einem Unfall ums Leben kam. Die alte Frau, die friedlich eingeschlafen ist. Die Mutter, um die Kinder und Ehemann trauern. Der Vater, mit dem es nicht leicht war, auch nicht mit seinem Sterben.

Eine Frau hat mir erzählt: „Als in diesem Jahr mein Mann starb, war ich oft auf dem Friedhof und habe mit ihm gesprochen. Und dann war da der Tag, an dem plötzlich der Stein auf dem Grab war mit den Daten seiner Geburt und dem seines Todes. Erst jetzt wurde mir richtig klar, ich werde ihn nicht wieder sehen.“

Ich denke oft an diese Frau. Ein paar Mal habe ich sie besucht. Zuerst haben wir nicht viel geredet. Eines Tages aber war sie verändert. Sie hat erzählte von ihrem Mann und all den Dingen, die sie mit ihm gemeinsam erlebt hat. Manchmal hat sie zwischendurch gelacht. Schließlich sagte sie: „Kommen Sie, wir trinken zusammen ein Gläschen Sekt, denn heute vor 60 Jahren habe ich mich in meinen Mann verliebt.“

Sie hat mir wohl meine Irritation angesehen und so fügte sie hinzu: „Auf dem Friedhof, da habe ich mit meinem Mann gesprochen, aber jetzt hat er mit mir gesprochen. Ich habe nämlich seine Taufurkunde gefunden und da steht: ‚Gott spricht: Fürchte dich nicht, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.‘ Es war, als hätte sich eine warme Decke über meine Seele gelegt. Mit einem Mal wusste ich, Gott hält meinen Mann unendlich sanft in seinen Händen, so wie wir uns gehalten haben, als wir frisch verliebt waren.“

Ich wünsche mir, ich finde, wenn ich traurig bin, auch so ein Wort, das mich tröstet, einen Menschen, der es mir sagt, und das Vertrauen, dass Gott jeden Menschen ruft und hält, wie Verliebte einander halten.

Wenn in diesen Tagen über den Friedhof gehe, denke ich, es gibt viele Menschen, die diesen Glauben haben. Denn die Gräber sind nicht tot und verlassen sondern oft wunderschön geschmückt. Das zeigt mir, ich kann hoffen auf das, was kommt:

Ewigkeit. Advent. Lichter erleuchten die Dunkelheit.

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