Moment Mal

von Pfrn. Johanna Köster

Sieben Wochen ohne Alleingänge

Ich stehe vor einer alten Dorfkirche. Mauern aus Backstein, altes Fachwerk, weiße Fensterrahmen, von denen die Farbe abblättert. Viele hundert Jahre ist dieses Gebäude schon alt.

Es erzählt Geschichten, Lebensgeschichten. Menschen haben in dieser Kirche gelacht und geweint, gehofft, gebetet und gesungen. Und nun ist sie alt geworden die Kirche. An einer Stelle regnet es schon durch das Dach durch. Die Fenster sind auch schon lange nicht mehr dicht. Es muss was getan werden und eigentlich schon eher heute als morgen.

Doch woher das Geld nehmen? Bauen ist teuer geworden. In den letzten zwei Jahren sind die Baukosten stark angestiegen. Wie kann es gelingen, diese Kirche zu erhalten? Möglich wird es sicher nur, wenn viele Menschen sich daran beteiligen, personell und finanziell. Im Alleingang schafft es die Kirchengemeinde nicht.

„Sieben Wochen ohne Alleingänge“ ist das Motto der evangelischen Fastenaktion in diesem Jahr. In jedem Jahr gibt die evangelische Kirche für die Fastenzeit, die sieben Wochen vor Ostern, ein Motto heraus. Man kann viele Sachen fasten in der Passionszeit, Fleisch oder Schokolade, Facebook oder das Smartphone.

Durch das Weglassen merke ich erst wie wichtig bestimmte Dinge in meinem täglichen Leben sind. Vielleicht stelle ich fest, dass ich gut ohne etwas leben kann, von dem ich immer dachte es dringend zu brauchen. Alleingänge wegzulassen scheint mir ein gewinnbringender Verzicht. Vielleicht dauert es länger mit anderen zu gehen, aber weiter kommt man definitiv.

Ich denke nochmal an die Kirche, die mir und auch vielen Menschen sehr am Herzen liegt. Im Alleingang können wir die Zeit und die Mittel nicht aufbringen. Wenn wir aber nicht allein gehen, wen nehmen wir dann mit? Alle, die mitwollen: Den alten Heimatverein, den neu gegründeten Verein der Zugezogenen, die ein Dorffest organisieren wollen, Einzelpersonen, die Zeit und Lust haben.

Sieben Wochen ohne Alleingänge. Für mich ist das ein Anstoß auch über die Passionszeit hinaus, weiter zu denken und offener einzuladen. „Lasst uns geh`n und es allen sagen, dir wir auf dem Wegeseh`n“ heißt der Text zu einer Melodie, die mir nun in den Ohren summt.

Wenn die Kirche fertig saniert ist, nach der Arbeit und Zeit vieler Menschen, dann will ich dieses Lied zur Einweihung singen.

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