Moment Mal

von Superintendent i.R. Peter Heß

Da hilft nur noch beten!

Da hilft nur noch beten!

„Da hilft nur noch beten!“ Ein Satz, der gern dann , fast sprichwörtlich, herhalten muss, wenn sich Ratlosigkeit und Hoffnungslosigkeit breit machen. Also passt er ja gerade richtig in die Zeit!?

In der Tat, was wir auch hören, wohin wir auch blicken, gute Nachrichten sind Mangelware. Aber war das nicht eigentlich immer schon so? Nein, ich will damit nicht die Dramatik all dessen, was eine ganze Welt in Atem hält, relativieren oder gar verharmlosen. Es ist ja auch nicht so, dass die Verantwortlichen dieser Welt tatenlos herumsitzen. Hektische Diplomatie, von der wir allermeist nichts mitbekommen, und ernsthaftes Bemühen um gute Lösungen sind ja doch immerwährend im Gange.

Wer anderes behauptet, so meine ich, ist böswillig.

Mitten in alledem wird, da bin ich sicher, rund um den Globus viel gebetet. Vielleicht ahnen wir nicht, wieviel sich da zwischen Himmel und Erde bewegt. Ja, wir hätten gern offensichtliche, schnelle und handfeste Veränderungen. Wie war das doch gleich damals vor 34 Jahren? „Mit allem haben wir gerechnet, aber nicht mit Kerzen und Gebeten.“
Da war einer von diesem scheinbar wirkungslosen Handeln überrascht und beeindruckt. Und tatsächlich hat es eine Mauer zum Einsturz gebracht. Wie schnell vergessen wir doch und beißen uns an alledem fest, was noch nicht geworden ist, oder was wir uns so ganz anders vorgestellt haben. Nun ja, dankbares Erinnern und bewusstes Nichtvergessen könnten uns vielleicht hoffnungsvoller machen, dankbarer und sogar fleißiger zum Beten, auch mit Kerzen.

Die Kerzen brennen ja gerade wieder im Advent und auf Weihnachten zu.

Da betet ein alter Mann mit Namen Simeon. Er war ein wacher Zeitgenosse. Das Geschick seines Volkes hat ihn umgetrieben. Ein Leben lang voller Erwartung und voller Hoffen für sein Volk Israel. Schon damals stand es immer wieder nicht gut um dieses Volk. Seine Hoffnungen und die vieler in seinem Volk richteten sich auf ein Versprechen Gottes. Vom Friedefürsten oder von einem Gotteshelden, von einem mit wunderbarem Rat war da die Rede. Wie das klingt! Und dann trifft er im Tempel Joseph und Maria mit dem Jesuskind! Da fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Er nimmt das Kind auf den Arm und betet:

„Herr nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern.“ (Lukas 2, 29-31) Es mutet aberwitzig an. Aber ja, dieses Kind läutet die „Zeitenwende“ ein. Es lohnt sich immer noch dem Wunder der Heiligen Nacht in den Nächten der Weltgeschichte mehr zuzutrauen als wir es allermeist tun.

Da geschieht mehr zwischen Himmel und Erde, als wir uns vorstellen können.

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