Moment Mal

von Superintendent i.R. Peter Heß

Vor allen Dingen Gesundheit

Dieser Spruch gehört zu den üblichen Wünschen zu Geburtstagen oder anderen Jubiläen. Wer will auch verleugnen, dass die Gesundheit zu den wertvollsten Geschenken gehört. Spätestens im fortgeschrittenen Alter, wenn die ersten körperlichen oder seelischen Einschnitte sich einstellen, wird dies jedem schmerzlich bewusst.

Ich gestehe, dass ich mit diesem Wunsch je länger je mehr vorsichtig geworden bin. Was ist mit denen, die schon lange mit gesundheitlichen Einschränkungen leben müssen. Medizinische Perspektiven haben sich erschöpft. Wie klingt dieser Wunsch da?

Dennoch spielt das Thema von körperlicher Unversehrtheit und Wiederherstellung auch in der Bibel eine auffällig große Rolle. Immer wieder wird erzählt, wie Jesus sich Menschen zuwendet, die unter erheblichen körperlichen Einschränkungen leben müssen und damit auch große soziale Probleme haben. Seine Zuwendung, ob erbeten oder überraschend,
verändert etwas. Nicht selten erleben sie wunderbare Heilung. Die Bitte und Sehnsucht nach Heilung, nicht nur körperlich, ist und bleibt legitim.

Bis heute erleben Menschen solche wunderbaren Gesundungen. Dabei sind auch alle ärztlichen und medizinischen Möglichkeiten Geschenke der liebevollen Zuwendung Gottes.
Lebensermöglichung und Lebensqualität beinhalten über die körperlichen Bedürfnisse hinaus viele andere Bereiche unseres Lebens: Kranke Beziehungen, kranke gesellschaftliche und soziale Rahmenbedingungen, bedürfen nicht weniger der Heilung. Frieden, Vergebung und Versöhnung, auch soziale Gerechtigkeit und Sicherheit gehören dazu. Dies gilt umso mehr, als körperliches und seelisches Wohlbefinden heiler Rahmenbedingungen bedürfen. Die Bibel ermutigt uns, um jede Form von Heilung und Wiederherstellung zu beten. In jedem Gottesdienst tun wir das. Friedensgebete sind auch Heilungsgebete. Wie nötig sie sind, erleben wir gerade in erschreckender Weise.

Auch das persönliche Gebet ist eine besondere Möglichkeit, Gottes und menschliche Zuwendung zu erfahren. Wir werden ermutigt, füreinander zu beten: Am Krankenbett oder in der Ratlosigkeit, Eltern für ihre Kinder und Kinder für ihre Eltern. Auch Einsamkeit und Trauer sind heilungsbedürftig.

So gibt es auch Wunder ganz anderer Art, wenn sich scheinbar keinerlei Veränderung oder Hilfe zeigen. Da sagt eine alte Frau, die außerhalb des Dorfes allein lebt: „Herr Pfarrer, ich bin nicht einsam.“ Sie zeigt mir ihr Gesangbuch und ihre Bibel. „Gott ist hier bei mir.“ Der kranke Herr um die fünfzig, der um die Begrenzung seines Lebens weiss, sagt: „Herr Pfarrer, ich habe erst jetzt verstanden worauf es im Leben ankommt. Dafür bin ich dankbar.“

„Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ Eine Ermutigung zum Gebet, auch heute.

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