Moment Mal

von Superintendent i.R. Peter Heß

Reden hilft, auch mit Gott!

Menschen, die zugewandt sind, zuhören können und Zeit haben, sind selten.

„Wie geht es dir?“ Die Frage, ist oft nur oberflächlich gemeint und wird auch so beantwortet: „Geht so!“ Wer interessiert sich schon wirklich? Haben wir nicht alle mit uns selbst zu tun? Unser Alltag ist im Beruf, in der Familie und dann auch im Kontext der gesellschaftlichen Ereignisse herausfordernd genug. Ist es da verwunderlich, dass Überforderung und psychische oder nervliche Symptome um sich greifen?

Wer immer sich dann in kompetente Behandlung begeben muss erlebt, dass das Gegenüber zum Reden bzw. Erzählen einlädt. Damit beginnt die Hilfe. Sich mitteilen, sich aussprechen, sich alles von der Seele reden. Eigentlich ist uns bewusst: Es braucht einen Ort, wo wir offen sagen können, was uns bewegt, ob Freude oder Sorge. Niemand wird mit dem, was auf ihn einstürmt, allein fertig. Das gilt besonders wenn wir in Nöte und Konflikte geraten. Aber auch Stress, schmerzliche Erfahrungen und Enttäuschung können uns treffen. Und dann ist da noch etwas: Wir sind auf Beziehung angelegt! Wir brauchen ein Gegenüber. Dort ist der Raum, einander mitzuteilen. Der Andere hört mir zu und ich ihm.

Gegenseitige Zuwendung ermöglicht, aus dem Eigenen herauszutreten. Vertrauen und sich Anvertrauen sind Türen zur Entlastung.

In der Bibel steht ein Satz Jesu, der uns eine immer offene Tür zeigt: Euer Vater weiß! Er meint damit Gott, der uns gern seine Kinder nennt. Damit haben wir eine uns bekannte kindliche Verhaltensweise vor Augen. Kinder, die sich mit dem Erlebten in die Arme des Vaters oder der Mutter werfen und einfach erzählen. Sie müssen alles loswerden, das Schöne und das Schwierige. Diese vertraute Beziehung bietet Gott uns an. Immer wieder staune ich, wie oft ich Menschen treffe, die beten. Sie tun es nicht nur wenn's schwierig wird.

Euer Vater weiß! Ja, auch mein leiblicher Vater wusste, was ich brauchte und was mir fehlte. Dennoch war es für ihn wichtig, dass ich mein Herz ausgeschüttet habe. Mein Vertrauen hat ihn froh gemacht. Vor allem aber hat es mir gutgetan. Nein, nicht alle meine Anliegen hat mein Vater 1 zu 1 aufgenommen, nicht alle Bitten erfüllt. Wie oft habe ich das nicht verstanden und war enttäuscht.

So geht es mir manchmal auch, wenn ich bete. Zunehmend entdecke ich aber, wenn Gott meinem Wunsch nicht entspricht, hat er eine bessere Ide. Er kennt mich besser als ich selbst. So weiß ER was mir wirklich hilft. Das Schönste ist: Gott hat immer Zeit.

Vor vielen hundert Jahren hat ein Beter seine Erfahrung so beschrieben: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

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