Moment Mal

von Pastorin Karolin Theiß

„Ich hab' geträumt von einem Leben, wo's nicht ums Überleben geht. Wo ich in offene Arme renne, wenn kein Haus mehr steht. Ich hab' geträumt von einer Heimat, in der es eine Zukunft gibt. Und ein Flugzeug aus Papier über alle Mauern fliegt.“

Diese Worte aus einem Lied von Peter Maffay begegnen mir, als ich Anfang März einen Gottesdienst zum Thema „Hoffnung und Zukunft“ vorbereite. Zwei Wochen sind da vergangen, seit der Krieg in der Ukraine begonnen hat. In den Nachrichten sehe ich immer wieder dieselben Bilder. Frauen mit Kindern an der Hand oder auf dem Arm. In einem Rucksack alles, was sie von zu Hause mitnehmen konnten, unterwegs in eine ungewisse Zukunft. Und ich erinnere mich an die Geschichten von der Flucht, die meine Großmutter mir früher manchmal erzählt hat. Der Schmerz, die Angst und die Verunsicherung von Menschen in dieser Lebenslage sind nur schwer nachzuempfinden, damals wie heute.

Auch die Bibel erzählt von Kriegen, Vertreibungen und Fluchtbewegungen. Nachdem Jerusalem 587 v. Chr. von den Babyloniern zerstört worden war, wurde ein Teil des Volkes nach Babylon verschleppt. Mitten hinein in diese ausweglose Lage kommt eines Tages ein Brief des Propheten Jeremia - mit Worten von Gott an diese niedergeschlagenen Menschen. Gott spricht davon, dass er ihr Leid wenden und ihnen Zukunft und Hoffnung schenken wird. Und das ist verbunden mit einem konkreten Auftrag vor Ort: Baut hier Häuser, legt hier Gärten an, gründet Familien! Sucht der Stadt Bestes und betet für sie! (Jeremia 29,5-7)

Daran ist so viel wahr - auch heute. Ein Neuanfang kann gelingen, wenn ich mich einbringe, wenn ich mitgestalte.

Wittenberge ist eine bunte Stadt. Manche wohnen seit ein paar Jahren hier, manche schon ihr Leben lang. Manche waren einmal weg, manche würden gern weg, manche sind wieder zurückgekommen. Manche sind freiwillig hierher gezogen, andere mussten ihr Zuhause verlassen und haben hier einen Neuanfang gewagt, um in Sicherheit leben zu können. Unsere Geschichten sind nicht gleich. Und gerade so lässt sich Zukunft gestalten. Wenn alle anpacken, Begabungen einbringen und das Leben in der Stadt für die, die hier leben, so schön wie möglich machen.

Seit ein paar Wochen spielen meine Kinder häufig mit einer Familie aus der Ukraine. Oft sind auch Kinder dabei, deren Eltern einmal aus Russland hierher gekommen sind. Es bewegt mich zu sehen, wie sie miteinander spielen und toben. Dass es da keine Grenzen gibt. Und es ist, als würden Zukunft und Hoffnung vor meinen Augen Wirklichkeit werden.

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