Moment Mal

von Pfarrer Helmut Kautz

„Oma was ist denn das für eine Flasche?“ fragte der Karl. Er brachte das braune Teil freudestrahlend zu ihr. Beim umgraben hatte er den Fremdkörper gefunden. Seine liebe Oma begann sofort zu schimpfen! „Die hat der Paul hier rüber geschmissen! Dieser Schuft! Dieser Säufer!“ Noch nie hatte der Kleine die Mutter seines Vaters so erregt gesehen wie jetzt. Der Vater kam dazu und fragte was los ist. Mit einem Lächeln nahm er dem Knaben die Flasche ab und sagte: „Ah Pritzwalker Dunkel!“ „Ja!“ schrie die alte Dame, „das hat er immer gesoffen! Er wollte uns immer ärgern und hat die Flaschen über den Zaun geschmissen! Nur weil er das Gartenland nicht bekommen hat!“ Karl holte sein Smartphone raus. Tatsächlich fand er unter Bieretikettenkatalog.de eine Eintragung von VEB Brauerei Pritzwalk. „Das muss aber lange her sein!“ sagte er zu seiner Oma! Wütend sagte sie: „na und? Ich werde es ihm nie vergeben!“

Der Sohn fragt: „Vati, was ist vergeben?“ Er denkt nach und sagt: „Vergeben bedeutet, dass Dir etwas angetan wurde und der Andere sich bei Dir entschuldigen muss. Du aber verzichtest darauf und gibst Dein Recht weg.“ „Heißt das etwa, dass ich ihn genauso mag, als ob er mir nichts getan hat?“ fragt ihn sein Sohn. „Ja“ antwortet er. „Und wenn er mich weiter ärgert, wie oft muss ich dann vergeben“ hakt der Junge nachdenklich nach. Da muss der Vater an eine Geschichte von Jesus denken, in der er auf diese Frage sagt: Siebzigmalsiebenmal sollen wir vergeben. Also unbegrenzt. „Das kann man nicht!“ sagt da die alte Frau mit einem Hauch von Schwermut auf dem Gesicht. „Stimmt das?“ fragt der Sohn. Wie oft habe ich schon nicht vergeben, denkt der Vater. Bilder von Streit und Zank ziehen blitzschnell vor seinem inneren Auge vorbei. „Ja“ antwortet er! Vergeben aus eigener Kraft ist fast unmöglich! Wenn Vergebung geschieht ist das ein Wirken Gottes, dann leuchtet etwas vom Licht der göttlichen Liebe bei uns Menschen auf. Jesus will Kraft zum Vergeben schenken.

„Und was ist, wenn man nicht vergibt?“ fragt der Sohn. „Das ist so, als wenn ich Dir gestern nicht Deinen Splitter herausgezogen hätte. Die Wunde kann nicht heilen und eitert, wird immer schlimmer. Ohne Vergebung wird der Mensch bitter und unzufrieden. Er sieht immer nur das Schlechte und kann sich nicht an der Schönheit erfreuen.“ antwortet sein Vater. Wenn Sie, lieber Leser, an Silvester ein gutes Glas trinken, denken Sie daran, wem Sie noch vergeben sollten! Bringen Sie es noch in Ordnung in diesem Jahr! Nehmen Sie den Schmerz nicht mit und erlauben Sie Jesus Ihre Wunden zu heilen! Ich wünsche Ihnen den Frieden Gottes! Schalom!

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