Moment Mal

von Pfr. i.R. Stephan Flade

Laufen – Menschen in Bewegung

Wittenberge - Stadt mit überwiegend Alten in DDR-Neubaugebieten und Seniorenheimen, mit viel häuslicher Seniorenpflege. Auch mir wird der Spiegel vorgehalten: Mit 70 fühle mich jedoch fit, gesund und belastbar. Meine Fitness /Leistungsfähigkeit habe ich gezeigt. So waren in 4 Stunden fast alle Fenster geputzt, anstrengungslos und in bester Laune.

Gestern waren wir im Clara-Zetkin-Park. Berührend das lebendige Summen und vielfältige Treiben. Menschen vieler Nationen, Ethnien und Religionen, Alt und Jung bunt gemischt. Bekannte Gesichter, FreundInnen aus der Stadtgesellschaft wie immigrierte Neu-BürgerInnen. Auch Mitglieder meiner Kirche. Ich war platt. Buntes Leben und Treiben in diesem Park, der vor einem Jahrhundert noch ein großer Friedhof war. Die Friedhofsruhe ist neuer Bewegung gewichen. Nun ist das ein Treffpunkt für die sich räkelnde Stadt.

Die Park-Einweihung war ein Bürgerfest. Der „24-Stunden-Lauf für Frieden und Toleranz“ zeigt den Wandel der Einwohnerschaft. Eine abgesperrte Laufstrecke war sichtbar. Die Idee ist zukunftsweisend: Menschen für- und miteinander auf ein gemeinsames Ziel hin in Bewegung setzen. Beim 24-Stunden-Lauf – wobei der Rundkurs jederzeit mindestens von einem Läufer besetzt sein muss – waren die unterschiedlichsten Personen. Ich bin kein Läufer. Meine Ausdauerpotential ist noch ausbaufähig. Trotz Nichtraucher-Lunge puste ich heftig nach einem 400m-Lauf. Freundlich wurden wir eingeführt. Mitmachen ist alles. Kein Leistungszwang, sondern Anerkennung für eine jede geleistete Runde. Zwei junge Frauen mit ihrem Hund spazierten vor mir. Ein fitter Amtsleiter aus dem Rathaus überrundete mich locker. Ein ägyptischer Kinderarzt joggte routiniert seine Runden. Ausdauernd sah ich Rentner gehen. Alle zielorientiert in verschiedenem Lebensalter, in unterschiedlicher Kleidung, jeweils im ganz persönlichem Bewegungsablauf.

Das Bild einer bewegten Stadt erzählt von einer menschenfreundlichen Zukunft. Trotz Corona, inmitten der Zerrissenheit wegen Afghanistan, Flut-Katastrophen und Klima-Krise. Vor der Entscheidungswahl und vor einem (notwendig) grundlegenden gesellschaftlichen Richtungswechsel für eine faire, solidarische Welt. Es laufen Alte und Junge für Frieden und Toleranz. Sie scheuen keine Mühe, 24 Stunden rund um die Uhr. Manche lernen sich beim Lauf kennen. Friedlich sind alle in Bewegung für eine gerechte, solidarische Welt. Dieser Lauf bleibt bewegt mich weiter.

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