Moment Mal

von Pfarrerin Anna Trapp

Fröhlich rennt er über den Kinderspielplatz und singt vor sich hin: „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.“ Es ist zwar April und zur Jahreszeit passt sein Lieblingshit nicht, doch das stört ihn nicht. Er singt fröhlich bei seinem schweren Tun, auf dem Klettergerüst und im Sandkasten. Immer und immer wieder den gleichen Song.

Es ist, als würde ihm alles leichter fallen, als wäre es natürlich, sich von einer Melodie im Alltag begleiten zu lassen. Es ist kein angeregtes, quasi aufführendes und bewusstes Singen, wie es sonst oft von ihm gefordert wird.  So a la „Zeig dem Opa mal, wie schön du singen kannst.“ Nein, sein Singen, so ganz nebenbei, das ist echt und authentisch und sein ganz eigenes Bedürfnis, da draußen auf dem Spielplatz.

Singen, das ist auch für mich ein Weg zur Alltagsbewältigung und ein Garant für Endorphine und damit für gute Gefühle. Mit einem Lied auf den Lippen oder auch nur im Kopf lässt sich manches leichter tun. Das lateinische Wort cantare bedeutet eben nicht nur singen, sondern auch zaubern. Singen ist zauberhaft! So ist es auch kein Wunder, dass viele Menschen derzeit vor allem das gemeinsam Singen, in Chören, Bands und Kirchen besonders vermissen. Aber aus guten Gründen verzichten wir derzeit weiter darauf. Zum Singen braucht es ja Luft, also nix riskieren, was dauerhaft die Lungenfunktion schädigt.

Also lieber vor und für mich hinsingen und summen, schief oder gerade, fröhlich oder melancholisch, im Garten, auf der Schaukel, beim Wischen und Kochen und Holzhacken und vor dem PC, beim Duschen und Zähneputzen und Socken anziehen, im Auto, auf dem Fahrrad, an der Elbe, auf dem Waldweg... Frühlingslieder, Liebeslieder, Gassenhauer, Schlager, Choräle, Arien und Popsongs oder wie der kleine Kinderspielplatzsänger einfach mal ganz unjahreszeitgemäß ein Martins- oder Weihnachtslied im Frühlingssonnenschein.

Singen ist gesund und tut gut, oder wie es Luther einst ausdrückte „Musik ist ein reines Geschenk und eine Gabe Gottes, sie vertreibt den Teufel, sie macht die Leute fröhlich und man vergisst über sie alle Laster.“

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