Moment Mal

von Pfrn. Johanna Köster

Am Anfang war das Wort. So beginnt der Evangelist Johannes sein Evangelium. Mich trifft dieser Satz während der aktuellen Debatten um die Corona-Maßnahmen besonders. Wer hat das Wort? Der Evangelist Johannes schreibt: Und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Hat Gott das Wort? Wo bleibt seine klare Stimme? Darf ich ein klares Wort von ihm fordern, so wie sich das manch einer von der Politik wünscht?

Ich sehne mich nach Worten der Verständigung. Ich sehne mich nach Worten der Verständigung zwischen denen, die immer weitere Maßnahmen gegen das Corona-Virus einführen wollen und denen, die fragen, ob denn überhaupt noch Maß genommen wird.

Seit nun einem Jahr gelten in Deutschland immer wieder verschiedene Regeln zu Kontaktbeschränkungen. Mal dürfen sich zwei Personen aus zwei Haushalten treffen, dann sind es wieder fünf Personen, zu denen die Kindern allerdings nicht mit dazu zählen. Manch einer wünscht sich gerade ein klares Wort. Die Politik solle nicht die Entscheidungen an die unteren Ebenen abgeben und beispielsweise die Kitas entscheiden lassen wie ein geregelter Ablauf unter den aktuellen Bedingungen aussehen kann. Auch der Ruf nach einer starken Führung ist zu hören. Alles ein Durcheinander, schimpfen manche. In dem einen Bundesland öffnen die Blumenläden, in dem anderen nicht. Kann da nicht mal jemand ein klares Wort sprechen? Emotionale Diskussionen spalten Familien und Freunde, Nachbarn und Kirchengemeinde.

Die Theologin Dorothee Sölle hat mal gesagt, dass Gott keine anderen Hände hat als unsere. Ich denke, dass er auch keine andere Worte hat als unsere. Wenn wir unsere Worte also nicht benutzen, wenn wir schweigen, wenn wir Unrecht sehen, dann schweigt auch Gott.

Am Anfang war das Wort. Nicht nur das Sprechen an sich ist wichtig, das Benutzen von Worten, miteinander reden, miteinander im Gespräch bleiben. Auch der Zeitpunkt des Wortes ist wichtig. Am Anfang. Alles beginnt mit einem Wort. Gerade nach Verletzungen wegen Meinungsverschiedenheiten muss ein erstes Wort kommen. Wenn das nicht kommt, dann gibt es keinen Anfang. Den Anfang der Verständigung nimmt uns Gott nicht ab.

Aber dort, wo wir selber den Schritt gehen Worte miteinander zu sprechen, dort spricht Gottes Wort durch uns.

 

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