Moment Mal

von Pfrn. Verena Mittermaier

Erwartungshaltung

„Ach, ich dachte, du machst das schon…“ Kennen Sie diesen Satz auch?

Da ist die Verwunderung am Familientisch, wenn am Abend noch daliegt, was jemand morgens achtlos liegen ließ. Oder die Dienstbesprechung, in der sich herausstellt, dass der Christbaumschmuck für die Kirche immer noch fein säuberlich verpackt in seinen Kisten ruht, weil niemand ihn hervorgeholt hat.

Auch bei großen Projektvorhaben oder in der Politik greift dieses Muster gerne: Nanu, die anderen haben meine Idee ja noch gar nicht in die Tat umgesetzt?

Wie selbstverständlich gehen wir manchmal davon aus, dass andere für uns Heinzelmännchen spielen und erledigen, was wir uns wünschen.  „Erwartungshaltung“ nennt sich das und ist eine bequeme Sache. Ungefragt von anderen vor den Karren gespannt zu werden, ist dagegen meistens ärgerlich.

Erwartungshaltung – geht das auch anders? Ich denke an den jungen Schulabbrecher, der in einer Bildungseinrichtung eine zweite Chance bekommt. Die Betreuerin knüpft ihre Unterstützung an klare Bedingungen. Und siehe da, es gelingt: Der Jugendliche hält seinen Teil der Abmachung ein, eine berufliche Perspektive tut sich auf. Die Erwartungshaltung, die ihm entgegengebracht wurde, hat ihm geholfen.

Erwartungshaltung – in den Wochen vor Weihnachten bekommt dieses Wort noch einen ganz anderen Klang. Advent, Ankunft, Vorfreude! Türchen werden aufgemacht, Überraschungen ausgeheckt, Vorbereitungen getroffen. Abends soll gerne noch auf dem Küchentisch liegen, was morgens aus dem Adventskalenderpäckchen kam, das ist in dieser Jahreszeit völlig ok! Schön, wenn all diese kleinen Freuden, die Bräuche und adventlichen Besonderheiten ihren Sinn erfüllen: Uns einzustimmen. Uns bereit zu machen. Vorfreude zu wecken auf den Friedensbringer, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern. Die ganze Adventszeit ist darum eine „Erwartungshaltung“. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit!  

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