Moment Mal

von Superintendent i.R. Peter Heß

Eine ganz besondere Freude

Unglaublich! Da sitzt einer im Gefängnis, natürlich unschuldig, und schreibt einen Brief an die da draußen, in Freiheit: „Freuet euch...!“ Nein, er ist nicht durchgedreht wegen der schlechten Behandlung, der Misshandlungen, der Verhöre und falschen Anklagen. Wach und sehr nüchtern schreibt er: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“

Zum wiederholten Mal hat er es erlebt. Er ist nicht allein! Gott ist spürbar nahe. Er spürt eine tiefe Geborgenheit. Er hat eine Kraft bekommen, die nicht seine ist. Angst und Sorgen sind abgefallen. Gerade in bedrohlichen Situationen: in Seenot, vor Gericht und anderes. Diese Erfahrung bricht sich in diesen Briefzeilen Bahn. Ja, allewege: in jeder Situation, was auch kommt!

Ich sitze mit einem Freund bei einer Frau. Sie ist gezeichnet. Nach einer OP wegen eines Gehirntumors hatte sie mein Freund, der damals dort Pfarrer war, während der Reha immer zu den Gottesdiensten geholt. Der Glaube war ihr zu der Zeit noch nicht vertraut. In ihrer Not und Angst machte sie die gleiche Erfahrung wie Paulus im Gefängnis. Sie erlebte das Wunder der Gegenwart Gottes, bei dem sie Angst und Sorgen fallen lassen konnte. Ihm vertraute sie damals ihr Leben an.

Die weiteren Behandlungen hatten sichtbare Spuren hinterlassen. Ihre Situation war, menschlich gesehen, erbärmlich. Wir sitzen bei ihr und aus ihren Augen leuchtet es. Unglaublich! Nie werde ich den Satz vergessen, den sie uns sagte: „Hätte ich all das Schlimme nicht erlebt und während der Reha nicht in den Gottesdiensten Gottes reale Nähe erfahren, hätte ich Gott nicht kennen gelernt, der immer bei mir ist. Ich bin so froh.“

Morgen werden wir wieder den Jubel der Engel hören: „Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr.“ Gott ist nahe, er ist da! Jesus der Retter ist da! Den Hirten in der Heiligen Nacht war es bei ihrer gefährlichen und schlecht bezahlen Arbeit als Randgruppe der damaligen Gesellschaft ganz sicher nicht nach Freude zumute. Sie haben sich die Augen gerieben.

Aber dann haben sie getan, was ihr Leben veränderte. Sie hatten nichts zu verlieren. Sie haben sich auf den Weg gemacht, nach Bethlehem in den Stall, zum Kind in der Krippe, zu Jesus! Gott ist ganz nahe, damals und heute! Den großen Schritt zu uns in unser Leben hat ER getan. Der kurze Weg zu ihm an die Krippe ist unser Teil. Ihn finden, sich ihm für alle Fälle anvertrauen, setzt Freude frei: Eine ganz besondere Freude – Weihnachtsfreude!

Das wünsche und erbitte ich uns allen, nicht nur fürs Christfest!

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