Moment Mal

von Superintendent i.R. Peter Heß

Frischer Wind - Feuer und Flamme

Ja, das brauchen wir: Leidenschaft, Hingabe, Freude, etwas voranzubringen. Gewohnheit, Kraftlosigkeit, Erwartungslosigkeit und Gleichgültigkeit aber machen sich breit. Aus vielen Löchern pfeift es: „Es hat doch keinen Zweck!“ Sind unsere Erwartungen zu hoch? Wollen wir zu viel? Haben wir das Maß verloren, den Sinn für Machbares und Notwendiges? Die Wahlergebnisse und das Geschehen in der Parteienlandschaft reden eine deutliche Sprache. Der Ruf nach radikalen Lösungen, die „Wind“ und „Feuer“ bringen sollen, ist laut.

Wir sehen Krisen, die sich scheinbar nicht lösen lassen und Machtspiele, bei denen Vorteile erzwungen werden sollen. Egoismus unter Nationen, die seit 74 Jahren Frieden erleben, weil Versöhnung möglich wurde entsetzt uns. Auch in den Gemeinden unserer Kirchen will sich Lähmung und Mutlosigkeit breit machen. Zahlen, die rückläufig sind verbauen uns den Blick für Perspektiven von Glaube und Kirche.

Ja, „frischer Wind“, aber nicht aus menschlichem Kraftaufwand. „Feuer“ und „Flamme“: Begeisterung, aber nicht durch feurige Appelle.

Pfingsten erlebte es die Schar der ersten Christen. Sie hatten sich noch nicht von dem Geschehen um Jesu Sterben erholt. Während einer Zusammenkunft wurden sie davon überrascht, dass es so war, wie wenn ein kräftiger, frischer Wind durch ihre Reihen wehte und jeder wie von einem Feuer entfacht wurde. Gottes Geist erfüllte sie in ihrem Innersten und alle Mutlosigkeit und Hoffnungslosigkeit war wie weggeblasen und vom Feuer verzehrt. Mitten in die Vielsprachigkeit und Unterschiedlichkeit derer, die zusammen waren und derer, die ihnen dann begegneten, machte sich Freude am Glauben breit und mutiges Erzählen vom Glauben. Sie waren wie ausgewechselt. Neues Verstehen bei aller Verschiedenheit ereignete sich. Es gab sogar Beobachter, die meinten, etwas Unnormales zu erleben, wegen zuviel Alkoholgenuss. Statt: „Es hat ja doch keinen Zweck“, hieß es jetzt: „Das gibt es doch gar nicht“.

Niemand hatte sich bemüht oder Kraft aufgewendet. Es gab allerdings ein Versprechen Jesu: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“ Seitdem beten Christen durch die Jahrhunderte immer wieder um Gottes Geist. An Pfingsten feiern Christen mitten unter all den oben genannten Schwierigkeiten, die es immer wieder gibt, den frischen Wind Gottes und das Feuer des Glaubens, die Gott heute noch schenkt. Aufmerksame Beobachter sagen staunend: „Das gibt es doch gar nicht!“ Doch! Gottes Geist weht auch heute. Sein Glaubensfeuer entfacht er noch immer.

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