Tag des Offenen Denkmals in Rühstädt

von Ev. Kirchenkreis Prignitz

Zum Tag des Offenen Denkmals laden die Kirchengemeinde Rühstädt und der Verein für Geschichte der Prignitz nach Rühstädt ein: Um 14 Uhr sollen in der dortigen Dorfkirche gleich zwei Neuerscheinungen präsentiert werden.

Im Verlag für Berlin-Brandenburg ist kürzlich ein hochinteressantes Büchlein über Kinderbildnisse in märkischen Kirchen erschienen. Unter der Herausgeberschaft von Antje Leschonski (Berlin) sind darin ein gutes Dutzend Beispiele gesammelt worden, in welcher Gestalt Kinder in Kirchenräumen verewigt worden sind. In vielen Fällen handelt es sich um Grabdenkmäler für Kinder, die früh verstarben. Hinter den für sie geschaffenen Kunstwerken verbergen sich ganz individuelle und oft tragische Geschichten.

Auch in Rühstädt befindet sich ein solches Grabmal, das für eine jung verstorbene Tochter der Familie von Jagow in der Kirche errichtet wurde. Es handelt sich um ein bedeutendes Werk aus weißem und grauem Marmor, hergestellt von dem bekannten Berliner Bildhauer Friedrich Drake. Die Verstorbene, Berta von Jagow verheiratete von der Schulenburg, starb 1835 im Alter von nur 22 Jahren. Wie noch viele Frauen in dieser Zeit wurde sie ein Opfer des Kindbettfiebers, für dessen Bekämpfung noch lange keine Antibiotika zur Verfügung standen. Ihr Bildnis schmückt nun den Einband des vorzustellenden Buches, das noch weitere Entdeckungen aus der Mark Brandenburg präsentiert.

Ein weiteres herausragendes Kunstwerk ist die Orgel der Rühstädter Kirche. Sie wurde 1738 mit zehn klingenden Stimmen von dem Berliner Orgelbauer Joachim Wagner erbaut. Die Stifterin war, wie noch heute auf einer Inschriftentafel an der Empore nachzulesen ist, Sophia Charlotta de Chevallerie, die Frau des damaligen Gutsherrn Friedrich Wilhelm von Grumbkow. Das Instrument konnte 2005 nach sorgfältigen Überlegungen so weit wie möglich in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Möglich wurde dieses für eine dörfliche Kirchengemeinde große Vorhaben nur durch zahlreiche kirchliche, staatliche und private Förderer.

Was bisher fehlte, war eine Tonaufnahme dieses trotz seiner geringen Größe klangstarken Instruments. Für die Einspielung wurden nun zwei namhafte Spezialisten gewonnen, die mit der Spielweise historischer Instrumente bestens vertraut sind. Kantorin Oana Maria Bran aus Lenzen und Dietrich Kollmannsperger aus Tangermünde haben für die CD ein nicht alltägliches Programm entworfen: Eine musikalische Reise führt den Hörer durch verschiedene Länder und Regionen, in denen die Musik einst entstanden ist. Vertreten sind Komponisten wie Samuel Scheidt, Girolamo Frescobaldi, Carlos Seixas, Johann Sebastian Bach und Michael Gotthardt Fischer. Auf diese Weise gelingt es, die klanglichen Möglichkeiten dieser kleinen Wagnerorgel umfassend vorzustellen.

Mit der CD ist jedenfalls einer der vielen Schätze gehoben, die sich abseits der großen Zentren im Land Brandenburg entdecken lassen. Domkantor i. R. Gottfried Förster (Havelberg) wird diese Orgel zu der Veranstaltung zum Klingen bringen. Das Programm des Nachmittags wird fortgesetzt durch eine gemeinsame Kaffeetafel im Storchenkrug sowie durch eine Führung durch den Schlosspark. Letztere wird veranwortet durch Ron Meier-Uhlherr, der den botanisch interessanten Park den Gästen ebenso erläutern wird wie den darin befindlichen Privatfriedhof der Familie von Jagow.

Alle Interessenten sind also herzlich nach Rühstädt eingeladen, das auch ohne Störche zahlreiche Sehenswürdigkeiten zu bieten hat.

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