Gewissensentscheidung braucht Begleitung – Beratung zur Kriegsdienstverweigerung
Mit der veränderten sicherheitspolitischen Lage in Europa wird auch in Deutschland wieder intensiver über Wehrpflicht, freiwilligen Wehrdienst und mögliche Musterungen gesprochen. Viele Jugendliche und Familien erleben dabei Verunsicherung. Manche fragen sich: Was bedeutet das eigentlich für mich? Welche Rechte habe ich? Und wie finde ich heraus, welchen Weg ich verantworten kann?
Als Kirche sehen wir es als unsere Aufgabe an, Menschen in solchen Gewissensfragen nicht allein zu lassen.
Das Grundgesetz schützt ausdrücklich die Freiheit des Gewissens. In Artikel 4 heißt es: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“
Dieses Recht ist ein hohes Gut unserer Demokratie. Doch ein Recht wahrnehmen zu können, setzt voraus, dass man informiert ist und Begleitung findet.
Im Kirchenkreis gibt es deshalb zwei Pfarrer, Pfarrer Christian Gogoll (c.gogoll@kirchenkreis-prigntz.de) und Pfarrer Valentin Kwaschik (v.kwaschik@kirchenkreis-prignitz.de), die Jugendliche und Familien rund um Fragen des Wehrdienstes und der Kriegsdienstverweigerung beraten. Unsere Aufgabe ist nicht, jungen Menschen eine Entscheidung vorzuschreiben. Es geht vielmehr darum, Orientierung zu geben, Fragen ernst zu nehmen und den eigenen Gewissensweg zu klären.
Manche Jugendliche denken früh darüber nach, ob sie den freiwilligen Wehrdienst leisten möchten. Andere merken erst bei einer möglichen Musterung, dass sie innerlich große Zweifel verspüren. Wieder andere fühlen sich zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, familiären Meinungen und persönlichen Überzeugungen hin- und hergerissen.
Gerade dann ist es wichtig, nicht allein zu bleiben. Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hat Menschen speziell für diese Beratung ausgebildet. Dabei geht es sowohl um rechtliche Informationen als auch um seelsorgerliche Begleitung. Denn hinter der Frage nach Wehrdienst oder Kriegsdienstverweigerung stehen oft tiefe persönliche Überzeugungen:
Wie will ich Verantwortung übernehmen? Wie gehe ich mit Gewalt um? Was kann ich mit meinem Glauben und meinem Gewissen vereinbaren?
Diese Fragen verdienen Zeit, Respekt und ein offenes Gespräch.
Niemand muss sofort eine fertige Antwort haben. Gerade junge Menschen dürfen ringen, nachdenken und sich informieren. Eine Beratung kann helfen, die eigenen Gedanken zu sortieren und die Möglichkeiten klarer zu sehen.
Uns ist wichtig: Beratung bedeutet nicht Beeinflussung. Sie soll Menschen stärken, eine verantwortungsvolle eigene Entscheidung zu treffen.
Auch Eltern erleben die Diskussionen oft mit Sorge. Viele erinnern sich an ihre eigene Wehrdienstzeit oder an gesellschaftliche Debatten früherer Jahrzehnte. Umso hilfreicher kann es sein, gemeinsam ins Gespräch zu kommen.
Als Kirche treten wir für Frieden, Menschenwürde und Gewissensfreiheit ein. Dazu gehört auch, dass niemand mit seinen Fragen allein bleiben soll. Darum möchten wir Jugendliche und Familien ausdrücklich ermutigen: Wenn es zu einer Musterung kommt oder Fragen zum freiwilligen Wehrdienst entstehen, holen Sie sich Beratung. Frühzeitig. Offen. Ohne Scheu. Ein Gespräch kann helfen, Klarheit zu gewinnen.
Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann sich vertraulich an die Beratenden im Kirchenkreis wenden.
Pfarrer Christian Gogoll
Garzer Str. 16
19339 Plattenburg OT Garz
Telefon: 033982 / 60002
E-Mail: c.gogoll@kirchenkreis-prignitz.de
und
Pfarrer Valentin Kwaschik
Kirchplatz 5
19348 Perleberg
Telefon: 0151/ 64 59 44 51
E-Mail: v.kwaschik@kirchenkreis-prignitz.de
Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es auf der Website unserer Landeskirche EKBO: Wehrdienst oder Verweigerung – DEINE ENTSCHEIDUNG!