Wort zur Woche

von Pfr.i.R. Johannes Kölbel

Schuld

Ich sitze im Trockenen am Rostocker Stadthafen. Die Warnow fließt ruhig. Ich denke über Schuld nach, über rund 740 Einwohner des kleinen Städtchens dort, an der Ahr, in Rheinland Pfalz.

Alles war da: Bäcker, Fleischer, Tankstelle, Gaststätte, Kirche... Die Ahr floss früher in einem Bogen um den Ort. Jetzt ist alles anders. Fast alles ist kaputt: Häuser und Existenzen. Viele sind immer noch vermisst. Nichts wird mehr so sein wie es war. Häuser waren zu dicht am Wasser gebaut. Menschen sind es verzweifelt jetzt auch. Und wer ist schuld? Im Moment so richtig noch keiner. Alle oder keiner? Es ist eben ein Schicksal. Oder doch auch menschengemacht?

Wechsel: Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger und Anwalt, der Enkel von Baldur von Schirach, dem Nazi-Reichsjugendführer. Als Enkel ist er nicht schuld. „Schuld“ ist der Titel seines auch verfilmten Buches. Er kümmert sich juristisch um, auch prominente, Täter. Er ist Jurist und nicht Pfarrer, sagt er. Er möchte, dass auch die Schuldigen zu ihrem Recht kommen. Er beschreibt es: auch ein Gericht kann irren. Ich bin kein Jurist sondern Pfarrer.

Mir fällt die biblische Sintflutgeschichte ein. Gibt es Parallelen oder Zusammenhänge von damals zu heute? Alles ging den Bach runter. Man sagte: Das menschliche Dichten und Trachten war böse. Das ist die Strafe. Nur Noah mit Familie und Vertreter*innen der Fauna überlebten. Viele starben damals und heute sind es bisher über 160 in Deutschland. Es musste ja so kommen, sagte und sagt mancher.

Die Frage steht: Wer von uns Menschen ist ohne Schuld? Und das Städtchen Schuld ist vielleicht bald überall: Denn wir sind alle bedroht. Der Regenbogen spricht in der Bibel die Sprache von der Liebe Gottes: Der Vertrag zwischen ihm und uns allen gilt: Das Wasser und die Erde sollen ihre Plätze behalten. Dafür zu kämpfen lohnt sich. Endliche menschliche Schuld ist gerahmt von der unendlichen Liebe Gottes. Allen Opfern der Flutkatstrophe und den Verantwortlichen in der Politik und im Katastrophenschutz gilt mein Gebet und vielleicht unsere Spende:

Gemeinde Schuld an der Ahr
Kreissparkasse Ahrweiler
IBAN DE 185775131 00000100024

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