Wort zur Woche

von Dr. Elisabeth Hackstein

Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut...

Der Wald, Sehnsuchtsort und Heilquelle für Körper und Seele: Die Schönheit, der Artenreichtum und die wohltuende Luft haben schon viele Dichter zu bewundernden Liedern und Texten inspiriert. Joseph von Eichendorff erkannte im Wald das Wirken Gottes und dichtete: „Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben? Wohl, den Meister will loben, solang noch mein Stimm' erschallt.“

Herrmann Hesse hat Bäume regelrecht verehrt: „Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen, um das einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens.“

Wenn wir gelernt hätten, mit Bäumen zu sprechen und ihnen zuzuhören, sie würden uns heute von dem Stress erzählen, den sie als einzelne und als Wald in den zunehmend heißen, trockenen Sommern ertragen müssen. Buchen und Eichen leiden besonders unter Wassermangel und Fichten kämpfen vergeblich gegen Baumschädlinge. Der Wald leidet stark unter dem sich verändernden Klima.

Wenn ich durch unseren Klosterforst gehe, sehe ich unzählige Bäume mit trockenen Wipfeln und kahl geschlagene Flächen nach Borkenkäferbefall und möchte Eichendorff umdichten: „Wer hat dich, du schöner Wald, krank gemacht...“ Die gestressten Wälder, die Sturm- und Trockenschäden, zunehmende Waldbrände und die mangelnde Widerstandskraft gegen Schädlinge zeigen, wie Klimaveränderungen schon jetzt unsere Lebensgrundlagen schädigen. Auch der, der den Wald gesund erhalten will, muss daher beim Klimaschutz mitmachen.

Stimmt, Klimaschutz ist eine globale Aufgabe, aber der Rat „Global denken – lokal handeln“ bringt es auf den Punkt. Um hier vor Ort zu handeln, sind die Gemeinden unserer Landeskirche per Kirchengesetz verpflichtet, ab 2022 nur noch regenerativ erzeugten Strom zu nutzen. Weitere Maßnahmen wie die Elektromobilität sollen folgen. Weil dem Bekennen, dass diese Welt Gottes Schöpfung ist, das Handeln folgen muss. Dann können wir mit frohem Herzen singen: „Wohl, den Meister will loben, solang noch mein Stimm' erschallt.“.

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