Wort zur Woche

von Pfarrer Christian Gogoll

Krisen sind auch Chancen

Gerade gewöhne ich mich langsam wieder daran, dass der Alltag zurückkehrt, nach den Einschränkungen durch die Covid 19 Pandemie. Ich bin sehr froh darüber und freue mich über jede weitere Lockerung.

Da höre ich heute Morgen diese Nachrichten: „Die Corona-Pandemie spitzt sich nach Einschätzung der WHO zu.“ Und dann folgen Zahlen, die ich gar nicht fassen kann. 136.000 Corona Fälle in den letzten 24 Stunden, weltweit fast 7 Mill. Erkrankte und rund 400.000 Todesfälle. Außer in Europa verschlechtert sich die Lage global, so heißt es.

Mich erschreckt diese Nachricht, denn sie macht mir den Ernst der Lage erneut klar. Andererseits bin ich dankbar, dass ich in einem Land leben darf, welches von dieser Krise weit weniger betroffen ist und war als andere Länder. Zugegeben waren die Maßnahmen tiefe Einschnitte ins persönliche Leben und in die Wirtschaft. Dennoch glaube ich, dass dieses Krisenmanagement angemessen und richtig war. Der größte Teil der Bevölkerung hat es mitgetragen, und dadurch ein gutes Zeichen gesetzt.

Es gab auch Kritik, berechtigte und unberechtigte. Das gehört zur Demokratie dazu. Das Aufkommen verschiedenster Verschwörungstheorien ist und bleibt ein Randphänomen, welches wohl in jeder Krisensituation auftaucht. Es tangiert mich zwar, aber nur am Rande.

Ein viel stärkeres Gefühl in mir ist tatsächlich die Dankbarkeit, denn es hätte uns viel schlimmer treffen können. Gleichzeitig zur Dankbarkeit gehört für mich die Verantwortung dazu. Menschen wahrnehmen und hören, die weniger gut durch diese Krise gekommen sind, gehört für mich dazu. Ich denke an die vielen kleineren Unternehmer und Selbständigen. Ich denke an die Kulturschaffenden und Dienstleister. Aber ich denke auch an die großen Herausforderungen, die immer noch nicht gelöst sind, sondern dringend einen Lösungsansatz brauchen. Diese Herausforderungen sind noch da. Corona hat sie nur kurzzeitig überlagert. Die Not der Geflüchteten dürfen wir nicht ignorieren. Und die bedrohliche Klimaveränderung wird uns wieder mehr beschäftigen müssen.

Vielleicht ist die Erfahrung der Pandemie sogar hilfreich. Einerseits wird deutlich, wie verletzlich und empfindlich die Menschheit ist. Und andererseits, wie viel durch vernünftige Entscheidungen und das Zusammenhalten der Gemeinschaft bewirkt werden kann.

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