Wort zur Woche

von Pfr. Volkhart Spitzner

Morgen begehen wir den Volkstrauertag. Der Volkstrauertag wurde 1952 in Deutschland ein nationaler Trauertag zum Gedenken der Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus.

Dieser Gedenktag liegt zwei Sonntage vor dem ersten Advent. Ich erinnere mich noch, wie ich damals meinen Vater fragte, wie es dazu kam, dass Hitler an die Macht kam und ihm so viele Menschen zujubelten ? Mit dem Wissen vom Ende des zweiten Weltkrieges, fragte ich: „Wie konnte das alles passieren?“ Kannst Du mir davon erzählen? "Weißt du, sagte mein Vater, das war eine so schreckliche Zeit, ich möchte gar nicht mehr daran denken. Sei froh, dass es dir heute besser geht. Vielleicht erzähle ich dir ein anderes Mal mehr." Dazu ist es nie gekommen.

So ging es vielen in meinem Alter, wenn dieses Kapitel der Geschichte aufgeschlagen wurde. Heute habe ich für beides Verständnis: Ich kann die Älteren durchaus verstehen, die den Nationalsozialismus und den Krieg bewusst miterlebt haben, mit all ihren schmerzvollen Erinnerungen der Mitschuld, der Verluste, der Vertreibungen und Kriegserinnerungen. Und ich kann die jüngeren Menschen verstehen, die über die Vergangenheit mehr wissen möchten.

Hierin liegt die Chance des Volkstrauertages. Ich habe die Erfahrung gemacht: Wer nicht trauert oder nicht trauern darf, findet keinen Frieden. Trauern ist eine schwierige Arbeit, sie kostet alle Kräfte, aber sie lohnt für einen selbst und für unsere Nachkommen.

In den nächsten Tagen beginnt die Friedensdekade. Zehn Tage laden dazu ein, unsere Vergangenheit und Gegenwart zum Thema zu machen und im Gebet vor Gott zu bringen. Wer die Hände zum Gebet zusammenlegt, kann nicht die Hände gegen einen anderen erheben. Wer betet kann zum Friedensstifter werden. Doch am Ende spielt es keine Rolle, woraus wir die Kraft schöpfen: ob es der Glaube an Gott ist, oder ob die Erinnerung an die Opfer des Krieges zur Verpflichtung wird, oder ob es das Gespür dafür ist, dass jeder Mensch ein Recht auf sein eigenes Leben hat.

Entscheidend ist, dass wir zusammenrücken in dem Wunsch und in der Hoffnung: NIE WIEDER.

Zum Geleit durch die Novembertage,
Pfarrer Volkhart Spitzner

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