Wort zur Woche

von Pfarrer Johannes Kölbel

Grüß Gott!

Liebe Leser,

„wenn ich ihn sehe“ antwortet mir der von mir mit diesem Spruch Gegrüßte.

Oder ich werde gefragt: „Was denn, sind wir hier in Bayern?“ Oder insgeheim wird gedacht: „Ist das ein Superfrommer.“ Nein, ist er nicht!

Auf alle Fälle bewirkt dieser Gruß ein kleines Gespräch, ein Gespräch über Gott und die Welt, einen Denkanstoß. Und das ist von mir bewusst gewollt. Manchmal sage ich dennoch auch „Moin“ oder sogar in der Langfassung „Moin moin.“

Ich finde, es geht uns ein Stück Kultur des Miteinander verloren wenn wir schweigend aneinander vorbeirennen, den Vorbeikommenden nicht anschauen oder gar bewusst wegschauen. Wir könnten doch dem Anderen eine Ermutigung sein wenn er sich eher einsam und fremd in der mir vertrauten Umgebung erlebt. Oder es könnte mich freuen von einem Menschen wahrgenommen zu werden in einem Moment, in dem ich denke, dass ich für Niemanden wichtig bin. Vielleicht ist es auch die Verhinderung eines Taschendiebstahles: Der, der mich grüßt und mit mir den Augenkontakt sucht, dem kann ich schwerer die Handtasche entreißen.

„Grüß Gott!“ oder „Gott zum Gruße!“ ist eine Begrüßungsformel eher im Süden unserer Republik, besonders auch in eher katholisch geprägten Ländern wie Bayern, aber auch im evangelischen Teil von Baden-Württemberg und in Franken. Und in Österrreich oder in Südtirol grüßt man sich auch gern so.

Wenn ich „Grüß Gott!“ sage, dann meine ich es umgekehrt und zwar so: Gott soll Dich Vorbeikommenden grüßen in dem er Dich segnet! Die ursprüngliche Bedeutung des Grußes ist „möge dich Gott segnen“ (von mittelhochdeutsch grüezen „grüßen, zuwenden, segnen“). Das wünsche ich mir und freue mich wenn es mir gewünscht wird: Gott möge mich segnen. Er soll mir so nahe sein mit seiner schützenden Hand, dass meine Wege unfallfrei von mir gegangen werden können. Ich möge bewahrt sein vor böswilligen Menschen. Als Gesegneter kann ich dann selbst versuchen für einen anderen Menschen, zumindest in dem kurzen Moment des Vorübergehens, ein Segen zu sein.

Immer wieder gern singe oder spreche ich einen alten irischen Segensspruch wie den: „Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in Deinem Rücken sein! Sanft falle Regen auf Deine Felder und warm auf Dein Gesicht der Sonnenschein. Und bis wir uns wiedersehen halte Gott Dich fest in seiner Hand!

Na dann: Grüzi Gott! oder Grüß Gott! alle miteinander.

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