Wort zur Woche

von Pfr. Peter Radziwill

Friday for future

„Es gibt Wichtigeres als die Schule“, hielt mir früher meine Tochter entgegen, wenn ich sie nach einer mäßigen Zensur ermahnte. „Nein, hielt ich ihr entgegen, wenn man zur Schule geht, sollte die Schule an erster Stelle stehen, dann hat man alle Chancen für die Zukunft.

An diese Auseinandersetzung erinnere ich mich dieser Tage wieder, wenn Freitag für Freitag zehntausende Schüler weltweit sagen: „Es gibt Wichtigeres als die Schule, nämlich unsere Zukunft!“ und auf die Straße gehen, damit endlich etwas gegen den Klimawandel getan wird.

Derweil streiten manche Erwachsene weiter, ob der Kohleausstieg in zwanzig Jahren kommt, ob man den Autoverkehr einschränken sollte und ob man überhaupt die Schule schwänzen darf.

Aber die Schüler widersprechen denen, die meinen: „Das geht nicht so schnell. Denkt an die Arbeitsplätze und so schlimm wird es nicht.“ Die Schüler wissen: Die Gletscher warten nicht zwanzig Jahre und schmelzen dann weiter. Die Erderwärmung legt keine Pause ein. In 80 Jahren könnte es durchschnittlich vier Grad wärmer sein in der Prignitz.

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg sagt: „Ihr sagt immer, ihr wollt das Beste für eure Kinder und Enkel. Dabei lebt ihr so, dass es für uns keine Zukunft gibt.“

Mich erinnert Greta an die Propheten in der Bibel. Sie haben wie sie genau hingeschaut. Sie wussten, die Zukunft wird heute entschieden. Wenige haben auf sie gehört. Viele haben sie abgelehnt, manche gar zu Tode gebracht.

Vor knapp zweitausend Jahren wurde in Jerusalem ein Mensch hingerichtet. Auch er hatte die Zukunft im Blick, eine Zukunft ohne Armut und Ungerechtigkeit, ohne Schuld, die Beziehungen zerstört, ohne Leiden und Tod. Dass die Gegenwart anders ist, hat er selbst erlitten, hat ihn schließlich ans Kreuz gebracht - auch an einem Freitag. Er hat nicht gesagt: „Was kann ich schon tun?“ Er hat getan, was notwendig war.

Schließlich haben Menschen erfahren: Jesu Worte und Taten sind nicht tot, sondern lebendig und wirken weiter in eine gute Zukunft hinein. Christen feiern diese Erfahrung zu Ostern.

Niemand riskiert heute mehr sein Leben, wenn er tut, was notwendig ist, höchstens eine Strafe wegen Schulschwänzens.

Ostern macht mir Mut: Es gibt Wichtigeres als die Schule, nämlich, dass wir und unsere Kinder und Enkel eine gute Zukunft haben.

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