Moment Mal

von Vikarin Johanna Köster

Wie gut, dass es Bäume gibt! In ihrem Schatten konnte ich die heißen Tage in den letzten Wochen ganz gut überstehen. Dankbar war ich über so manche dichte Krone, die mir etwas Kühle gespendet hat.

Aber wie gut auch, dass es in diesem Frühjahr öfter geregnet hat! Wir wissen ja: Wenn es mit dem Grundwasser nicht stimmt, sind die Bäume in Gefahr. Verdorrte Bäume sind ein trauriger Anblick und ein unübersehbares Zeichen im Klimawandel. In der Bibel sind sie auch ein Zeichen für verdorrtes, menschliches Leben. Achtsam müssen da auch die Menschen sein, dass sie ihre tiefen Kraftquellen nicht verlieren.

So wird der Mensch, der auf Gott vertraut, verglichen mit einem Baum, der an Wassern steht und dessen Blätter nicht welken. Bei dem Propheten Jeremia heißt es: „Segen für den Menschen, der auf Gott vertraut! Er gleicht einem Baum, der am Wasser gepflanzt ist. Seine Wurzeln streckt er hin zum Bach. Vor der Hitze fürchtet er sich nicht, seine Blätter bleiben grün. Selbst ein trockenes Jahr macht ihm nichts aus, und er hört nicht auf Frucht zu bringen.“ (Jeremia 17,7-8). Entscheidend ist, wo du deine Wurzel hinstreckst, wo du dich verankerst, so lese ich den Text. Wenn du wirklich im Gottvertrauen wurzelst, werden dir schwierige Zeiten nicht so viel anhaben können.

Ich habe mir das sagen lassen, auch jetzt in den schwierigen Monaten, wo so viel zwischenmenschlicher Kontakt vermieden wurde und gemeinsame Feiern mit vielen Freunden und Verwandten nicht stattfinden durften. Versuche, tiefer zu wurzeln in dem Vertrauen auf den Grund allen Lebens. Bleib zuversichtlich.

Dann muss auch die schwierige Zeit keine Zeit des Stillstands sein. Denn auch das lerne ich ja vom Baum: Solange er in einer Kraftquelle wurzelt, wächst er – streckt er sich dem Himmel entgegen. Nicht alle Tage wurzele ich so tief im Vertrauen. Nicht alle Tage strecke ich mich dem Himmel entgegen.

Aber jetzt wo der Sommer kommt mit vielen warmen Tagen, an denen ich mich nach kühlem Wasser und schattigen Plätzen sehnen werde, will ich doch immer wieder daran denken, dass auch ich wie ein Baum bin, der eine Quelle braucht, um nicht zu verdorren.

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