Moment Mal

von Vikarin Johanna Köster

Ein Schubs ins Leben

Lange ist es her, dass ich aus dem Haus meiner Eltern ausgezogen bin, aber ich weiß noch, dass ich voller Vorfreude war: Jetzt werde ich ein eigenständiges Leben führen! Das war ein gutes Gefühl. Es war keine Flucht. Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt bei meinen Eltern. Nun konnte ich gestärkt und bestärkt meinen eigenen Weg gehen.

In dieser Woche haben Christinnen und Christen das Himmelfahrtsfest gefeiert. 40 Tage nach Ostern, so wird es in der Bibel erzählt, wird Jesus in den Himmel empor gehoben. Jenseits von Zeit und Raum ist er nun für immer gegenwärtig. Doch für seine Jüngerinnen und Jünger ist er einmal entschwunden, der große Freund und Lehrer, mit dem sie jahrelang mitgezogen sind und für den sie so Vieles hinter sich gelassen haben. Sie müssen nun ihre Wege alleine finden. Trotzdem sind sie nicht traurig. In der Bibel heißt es: „Sie kehrten voller Freude nach Jerusalem zurück.“ Freude also, obwohl sie ihn nun nicht mehr direkt sehen und fragen können. Sie fühlen sich nicht allein gelassen. Er ist trotzdem noch da, in ihren Gedanken und in ihrem Herzen. Für die Jüngerinnen und Jünger beginnt nun die Zeit, wo sie selber losziehen und aus eigener Kraft verkünden und heilen, selbstbewusst und selbstbestimmt.

In vielen Kirchengemeinden wird zu Himmelfahrt die Kirche verlassen und im Freien auf einer Lichtung im Wald oder auf der Wiese vor der Kirche Gottesdienst gefeiert. Unter freiem Himmel sozusagen, damit deutlich wird: Mit seiner Himmelfahrt ist Jesus nicht mehr an einen bestimmten Ort gebunden. Er ist überall in der Welt.

Ich erinnere mich, wie ich damals aus dem Haus meiner Eltern gezogen bin. Erstmal weit weg. Damals von Schleswig-Holstein nach Vorpommern. Später ging es dann weiter in die Prignitz. Da hin, wo vorher noch nie jemand aus meiner Familie gelebt hat. Am Anfang hatte ich manchmal Heimweh oder ich fühlte mich überfordert von der Selbständigkeit. Dann habe ich zuhause angerufen, Zuspruch erhalten und auch den ein oder anderen Haushaltstipp. Ich denke, so haben es die Jüngerinnen und Jünger damals auch gemacht, wenn sie auf ihren eigenen Wegen nicht recht weiter wussten. Sie haben Jesus angerufen. Und das machen wir als Christinnen und Christen auch heute noch. Er bleibt ja gegenwärtig – über Zeit und Raum hinweg.

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