Wort zur Woche

22.12.2018 08:00 von Pfarrer Johannes Kölbel

„Mach's wie Gott, sei Mensch!“

Wie soll das bloß gehen? Bin ich etwa Gott? Ist Gott nun komplett Mensch und deshalb aufgelöst, vermenschlicht?

Gibt es denn keinen mehr, der den Überblick behält, zu dem ich ungeschminkt reden kann, ohne ein Blatt vor den Mund nehmen zu müssen? Gibt es keinen mehr, der für eine ausgleichende Gerechtigkeit sorgt, so dass am Ende auch die Übeltäter ihre Strafe bekommen und ich erlöst bin von allem Übel?

Klar, das ist schon ein himmelweiter Unterschied: Gottsein und Menschsein. Ich kann zu Weihnachten essen wie Gott in Frankreich, ich kann es mir göttlich gut gehen lassen oder einer Frau sagen, dass sie schön ausschaut wie eine Göttin. Und doch bleibe ich ein unvollkommener Mensch, launisch, voller Angst oder zuversichtlich, schwach, mal krank oder übermütig.

Wir haben unsere Bilder von Gott. Und wir wissen was Menschsein heißt: Fähig sein zu lieben, bewusst nachdenken können, was wir tun oder was wir gefälligst lassen sollten, Gefühle zeigen können, eigene und fremde Schuld sehen und verzeihen: sich selbst und anderen.

Es ist und bleibt ein Wortspiel: Gott und Mensch in ein direktes Verhältnis zu setzen. Doch es ist auch der volle Ernst zum Weihnachtsfest: Gott wird ein Mensch in und mit seinem Sohn Jesus. So wird es lange berichtet und so wird es generationenübergreifend erfahren: Gott kommt runter von seinem Thron, sitzt nicht auf einem hohen Ross, macht sich ganz klein und nackig, löst sich aber doch nicht in uns auf. Eine göttliche Herrlichkeit und eine menschliche Armut und Kälte zum Gotterbarmen treffen aufeinander im Stall von Bethlehem. Eine liebevolle Wärme, ein Heil und eine Ausstrahlung mit geht von dem Kind Jesus aus, so dass alle wie verwandelt sind: Menschenkinder sind Gotteskinder. Gott wird Mensch in Jesus und wir Menschen sind göttlich geachtet.

Weihnachten kann uns verwandeln, nicht nur stundenweise am Heiligen Abend zum Festessen und zur Bescherung. Gott kommt zu uns. Wir haben grünes Licht und freie Fahrt zu ihm zu kommen. Mit Gott wird’s wärmer, wird es heller und gerechter. Das glaube ich. Lasst uns Menschen sein und nicht wie Tiere, die fressen und gefressen werden. So will uns Gott. So hat er uns geschaffen. Und er lässt uns in unserem Schlamassel nicht allein. Machen Sie alles wie Gott: mit Liebe, mit Verstand und Herz! Allen ein so gesegnetes und fröhlichesWeihnachtsfest!

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