Moment Mal

12.11.2018 08:00 von Pfarrer Olaf Glomke

Sinn des Leidens

Liebe Leserinnen und Leser, wenn sich schlechte Nachrichten häufen. Wenn ein Unglück auf das Nächste folgt. Wenn es im Grunde nicht mehr schlimmer kommen kann, dann lassen uns solche „Hiobs-Botschaften“ nach ihrem Sinn fragen. Hiob, ein Mensch des Alten Testaments, hat es so erfahren. Dabei war Hiob völlig unschuldig. Er hatte nichts getan und musste dennoch leiden. Sein ganzer Viehbestand wird ihm gestohlen. Seine Arbeiter werden getötet. Sein Haus stürzt in sich zusammen. Und als wäre es nach solchen „Hiobs-Botschaften“ noch nicht genug, wird er schwer krank – Lepra. Sein Körper ist mit Geschwüren bedeckt. Völlig niedergeschlagen wünscht er sich, erst gar nicht geboren worden zu sein. Hiob fällt in Apathie. Er leidet schwer. Die guten Worte der Freunde erreichen den Verzweifelten nicht.

Hiobs gibt es auch heute. Patienten und Patientinnen die verzweifeln und hilflos sind, weil sie krank geworden sind. Die es nicht fassen können, warum es gerade sie getroffen hat. Eine Patientin mit Lungenkrebs, die nie geraucht hat. Obwohl er viel und regelmäßig Sport getrieben hat, hat der Patient einen Herzinfarkt erlitten. Unweigerlich kommt die Frage: „Warum gerade ich?“, „Was habe ich verbrochen?“, „Werde ich bestraft?“, „Oder straft Gott mich?“, „Warum geht es mir schlecht und den anderen so gut?“ Nicht allein Christen fragen so und kommen mit ihren Fragen dem Hiob aus der Bibel sehr nah. In den Gesprächen mit Patientinnen und Patienten begegnen mir diese Fragen, mal leise und ängstlich, mal laut und vorwurfsvoll. Es gibt keine klare und eindeutige Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Leidens.

Ich durfte Menschen kennengelernt, die das Leid verändert hat. Die ihr Leben aus einem veränderten Blickwinkel betrachtet haben. Sie haben ihre Verletzlichkeit gespürt und die Sehnsucht nach Nähe und Trost. Damit waren sie ganz nah bei Hiob, der die Argumente und Einwende seiner Freunde zurückweist und sich dennoch Gott anvertraut. Die Frage nach dem Warum des Leidens wird unbeantwortet bleiben, doch wir können uns gegenseitig helfen und stärken, mit dem Leid umzugehen.

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